Fakultät für
Lebenswissenschaften
faculty research news
Fakultät für Lebenswissenschaften
Juli 2018
Faculty Awards der Fakultät für Lebenswissenschaften 2018:

 

Der Young Investigator Award wird auf Initiative der Fakultät für Lebenswissenschaften vergeben, um junge Postdoktoranden, die in den Top-Fachzeitschriften veröffentlichen, auszuzeichnen. Die Awardees werden aufgrund ihrer hervorragenden Publikationsleistungen ausgewählt. Dieser Zuschuss, der formal auf die Konten der jeweiligen Departments angewiesen wird, ist ihren Forschungsprojekten oder der Teilnahme an internationalen Treffen gewidmet.

Der Gertrud Pleskot Award soll junge Wissenschafterinnen an der Fakultät für Lebenswissenschaften sehr früh in ihrer wissenschaftlichen Karriere fördern und wird nach den gleichen Kriterien wie der Young Investigator Award verliehen.

2018 wurden die folgenden Personen mit dem Young Investigator Award ausgezeichnet:

•    Bernhard Franzke (Department für Ernährungswissenschaften)
•    Simon Rittmann (Department für Ökogenomik und Systembiologie)
•    Sonja Windhager (Department für Theoretische Biologie)

Den Gertrud Pleskot Award erhielten:

•    Victoria Klang (Department für Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie)
•    Georgina Szipl (Core Facility KLF für Verhaltens- und Kognitionsbiologie, Grünau im Almtal)

Lesen Sie im folgenden die kurzen Portraits der Awardees.

• Bernhard Franzke - Young Investigator Award

Bernhard Franzke

© www.pixelcoma.at

Welches Projekt oder welche Publikation macht Sie am meisten stolz?

Daten meines Dissertationsprojekts (Forschungsplattform Active Ageing) waren Inhalt meines letzten Papers, welches ich persönlich besonders gelungen finde. In Age and the effect of exercise, nutrition and cognitive training on oxidative stress - The Vienna Active Aging Study (VAAS), a randomized controlled trial. (Franzke et al, 2018, Free Radical Biology & Medicine) wurden die Interventionseffekte auf oxidativen Stress, antioxidative Abwehrmechanismen und DNA-Stabilität zusammengefasst und in Folge eine trainingsbegleitende Supplementierung mit Antioxidantien bei älteren Menschen kritisch diskutiert.

Was sind die Herausforderungen für Jungwissenschafter_innen und wo sehen Sie sich in der Zukunft?

Neben der Arbeit an aktuellen Projekten, ist eine der größten Herausforderungen in der Wissenschaft, den Blick in die Zukunft nicht zu vergessen und rechtzeitig an Folgefinanzierungen zu denken, um eine fortlaufende Arbeit in der Wissenschaft zu gewährleisten. In meinem aktuellen Forschungsprojekt NutriAging erforschen wir den Einfluss spezifischer Nährstoffe auf Biomarker des Alterns. Sollten dieses und weitere Projekte realisiert werden können, ist mein mittelfristiger Plan zu habilitieren und weiter in den Bereichen Altern, Ernährung und Bewegung zu forschen.


Im Rahmen der Studie NutriAging am Department für Ernährungswissenschaften werden die Auswirkungen
von Krafttraining und Nahrungsoptimierung auf die körperliche Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden
älterer Menschen erforscht. © Istockphotos.com

Links:

• Simon Rittmann - Young Investigator Award

Simon Rittmann

© Universität Wien

Josef Krpelan

Welches Projekt oder welche Publikation macht Sie am meisten stolz?

Ich möchte zwei Publikationen, die wir Anfang 2018 veröffentlicht haben, hervorheben: In Nature Communications erschien unsere Publikation zur biologischen Methanproduktion auf dem Saturnmond Enceladus. In dieser interdisziplinären Studie behandelten wir die astrobiologische Fragestellung, ob methanbildende Archaea (Methanogene) unter Bedingungen, wie diese für Enceladus angenommen werden, wachsen und Methan erzeugen können. Eine besondere Herausforderung war es, die für Enceladus modellierten Umweltbedingungen, welche die Kultivierung der Methanogenen bei einem Druck von bis zu 90 bar erforderte, in Spezialbioreaktoren nachzustellen. Wir haben gezeigt, dass Methanogene, wie wir sie von der Erde her kennen, unter Enceladus-ähnlichen Bedingungen wachsen und Methan bilden können.


Simon Rittmann bei einem Arbeitseinsatz am 15L Bioreaktor. © Universität Wien / Josef Krpelan

Die zweite Publikation wurde in Applied Energy veröffentlicht. In dieser Publikation diskutieren wir ausführlich die industrielle Nutzbarkeit von Methanogenen zur Produktion von Methan aus gasförmigen Substraten. Meine Vision ist es, durch unsere Arbeit dazu beitragen zu können, dass die Nutzung von Methanogenen ein fester Bestandteil im Kreislauf der Biotreibstoffproduktion wird.

Was sind die Herausforderungen für Jungwissenschafter_innen und wo sehen Sie sich in der Zukunft?

Meine Herausforderungen sind und waren, den Spagat zwischen angewandter Forschung und Grundlagenforschung erklären zu müssen. Für mich sind diese beiden Forschungsausrichtungen nicht unbedingt voneinander trennbar. Es sind zwei Seiten derselben Medaille.
Eine andere Herausforderungsebene zu Beginn meiner Arbeit an der Universität Wien war, meinen angewandten industriellen Forschungsansatz in ein universitäres Arbeitsumfeld zu übertragen. Ich glaube, dies ist mir geglückt. Die Unterstützung meiner Arbeit auf vielen Ebenen war und ist enorm, und ich freue mich jeden Tag, ein Mitarbeiter der Abteilung und der Universität Wien zu sein. Meine nächsten Herausforderungen sind die Einwerbung von weiteren Drittmitteln für unsere Forschung und die Arbeit an meiner Habilitation. Das große Ziel meiner Arbeit ist es, eine Professur oder Assistenzprofessur an der Universität Wien zu erhalten.


Das Foto zeigt eines der typischen Experimente mit Methanogenen in Serumfläschchen für die Nature  Communications Publikation. Bei diesem Experiment wurde der Einfluss von potentiellen gasförmigen
Inhibitoren auf die Physiologie der Methanogenen untersucht. © Simon Rittmann

Link:

• Sonja Windhager - Young Investigator Award

Sonja Windhager

© Sonja Windhager

Welches Projekt oder welche Publikation macht Sie am meisten stolz?

Hier möchte ich Windhager et al. 2018 Calibrating facial morphs for use as stimuli in biological studies of social perception” in Scientific Reports nennen, da diese Publikation aufzeigt, wie der in Wien entwickelte Zweig der Geometrischen Morphometrie Eindrucksbildung und Stereotypisierung einer biologischen Interpretation zugänglich macht, und eine Datenlage schafft, den verzerrenden Einfluss von Gesichtszügen in der sozialen Wahrnehmung („Face-ism“) systematisch zu untersuchen. Besondere Dringlichkeit des Verständnisses der evolutionären Grundlagen entsteht unter anderem durch die artifizielle Kommunikation über Soziale Medien sowie die zunehmende Anonymisierung in wachsenden Großstädten.

Was sind die Herausforderungen für Jungwissenschafter_innen und wo sehen Sie sich in der Zukunft?


Die größte Herausforderung ist meines Erachtens, nach Kontinuität und Vorreiterposition der eigenen Forschung ein Privatleben aufrechtzuerhalten, wenn durch befristete Anstellungsverhältnisse eine sehr variable und unberechenbare Finanzierungslage entsteht und daher viel Zeit mit Projektanträgen und Bewerbungen verbracht werden muss. In der Zukunft möchte ich mich habilitieren, das räumliche und inhaltliche Forschungsnomadentum beenden, sowie den Fokus auf Eindrucksbildung bei Kindern und im interkulturellen Vergleich verstärken.


Wie kompetent schätzen Sie diese Person ein? Die systematische Untersuchung der Eindrucksbildung wird
nun auf dreidimensionale Gesichtermodelle ausgeweitet. © Sonja Winhager 

Link:

• Victoria Klang - Gertrud Pleskot Award

Victoria Klang

© Claudia Miklau

Fotostudio Lilly

Welches Projekt oder welche Publikation macht Sie am meisten stolz?

Spontan würde ich sagen: meine Zusammenarbeit mit einer netten Kollegin aus der Elektronenmikroskopie. Daraus sind Buch- und Übersichtsartikel entstanden. Der Artikel Electron microscopy of pharmaceutical systems hat sogar von Elsevier eine Auszeichnung erhalten, weil er sehr oft zitiert wird. Das freut mich natürlich – es war ja unser Ziel, das gemeinsam erarbeitete fächerübergreifende Wissen festzuhalten und Kollegen zur Verfügung zu stellen.

Was sind die Herausforderungen für Jungwissenschafter_innen und wo sehen Sie sich in der Zukunft?

Herausforderungen sind natürlich der Mangel an Festanstellungen und die Unsicherheit, ob man für eigene Projekte eine Finanzierung auf die Beine stellen kann. Sollte mir das gelingen, sehe ich mich in der Zukunft dort, wo ich jetzt auch bin: umgeben von einem motivierten Team und interessanten Projekten.


Konfokale Raman-Spektroskopie von Human- und Schweinehaut. © Klang/Wolf/Binder

Link: 

• Georgine Szipl - Gertrud Pleskot Award

Georgine Szipl

© Alex Munteanu

Welches Projekt oder welche Publikation macht Sie am meisten stolz?

Grundsätzlich machen mich alle meine Publikationen stolz, denn sie sind das Resultat von harter Arbeit zusammen mit vielen talentierten Kollegen. Im Moment bin ich sehr stolz auf unser neustes Werk Attacked ravens flexibly adjust signalling behaviour according to audience composition in Proceedings B. Trotz hervorragender Ergebnisse war es ein langer und steiniger Weg bis zur Veröffentlichung, mit viel Kritik und vielen Ablehnungen.

Was sind die Herausforderungen für Jungwissenschafter_innen und wo sehen Sie sich in der Zukunft?

Eine der größten Herausforderung sehe ich darin, in der Wissenschaft selbstbewusst seine Frau zu stehen und sich von Kritik und Rückschlägen nicht unterkriegen zu lassen, sondern diese für sich zu nutzen, um besser zu werden. In Zukunft möchte ich weiter Grundlagenforschung betreiben, aber auch einen neuen Schwerpunkt auf die Wissensvermittlung legen.


Georgine Szipl bei der täglichen Fütterung der Graugänse an der KLF. © Katharina Buchegger

Link: 

Die Grüne Apotheke

 

Arzneipflanzen im Botanischen Garten und im Pharmaziezentrum Althanstraße

Botanik, Pharmazie und Medizin
Eingang zum Arzneipflanzengarten ©  Florian Köck


Zwischen Botanik, Pharmazie und Medizin bestehen seit jeher enge Verbindungen. So gehen auch die Ursprünge des Botanischen Gartens auf einen „Hortus medicus“ zurück, der 1754 auf Anraten Gerard van Swietens von Maria Theresia gegründet wurde. Bereits 1756 wurden dort die ersten Lehrkurse für Ärzte, Apotheker und Hebammen abgehalten. Arzneipflanzen stehen nun vom 20. Juni bis 30. Oktober 2018 im Mittelpunkt der Freiland-Ausstellung „Die Grüne Apotheke“ im Botanischen Garten.
Themenfelder rund um die Zubereitung pflanzlicher Drogen und Arzneimittel, gesetzliche Regelungen, Giftpflanzen in der Heilkunde und die Rolle von Arzneipflanzen im Welthandel werden verständlich erklärt. Aktuelle Forschungsfragen, die am Pharmaziezentrum diskutiert werden, wie etwa die Bedeutung von Endophyten bei der Heilwirkung von Edelweiß oder die Entwicklung von in-vitro Methoden zur Vermehrung von Cannabis rücken ins Blickfeld der Besucher.

Wirtschaftsfaktor Heilpflanzen
Im Rahmen der Ausstellungseröffnung, die von rund 70 Personen besucht wurde, schilderte Wolfgang Kubelka die wechselvolle Geschichte der Erforschung von Arzneipflanzen und die Entwicklung der Fachdisziplin Pharmakognosie, die im Wien des 18. Jahrhunderts von Johann Adam Schmidt geprägt wurde. Nachdem Heilpflanzen durch die Entwicklung synthetischer Arzneimittel schon fast verdrängt worden waren, ist heute wieder eine Renaissance des Interesses an „natürlichen“ Arzneimitteln zu verzeichnen.


Wolfgang Kubelka während der Fuehrung im Rahmen der Ausstellungseröffnung. © Rudolf Hromniak

Wie die Studie State of the World’s Plants (Kew Science, 2017) zeigt, werden weltweit 28.187 Pflanzenarten für medizinische Zwecke eingesetzt, Schätzungen sprechen sogar von 70.000 Arten. Nicht zuletzt ist das steigende Interesse auch ein wirtschaftliches: wurde der Weltmarkt im Handel mit Heilpflanzen 2003 von der WHO noch auf rund 60 Milliarden US Dollar geschätzt, so sollen 2012 rund 83 Milliarden US Dollar allein für TCM Produkte umgesetzt worden sein!

Dabei sei äußerste Vorsicht geboten, so Kubelka: Finger weg von „Wundermitteln“ aus dem Internet, auch sogenannte pflanzliche Nahrungsergänzungsmittel mit „Heilversprechen“ unterliegen nicht dem Arzneimittelgesetz. Apotheken hingegen beziehen ihre Arzneidrogen von Herstellern, die die Qualität gemäß dem Arzneibuch überprüfen und garantieren. Hierbei sind zugelassene Arzneimittel, deren Wirksamkeit und Verträglichkeit durch pharmakologische Untersuchungen, klinische Studien und Daten zur Qualität gesichert sind, zu unterscheiden von traditionellen Arzneimitteln. Letztere müssen nachgewiesenermaßen seit mindestens 30 Jahren als wirksam und unbedenklich gelten und ohne Arzt sicher angewendet werden können.


Die Heilpflanze Aloe Vera. © Rudolf Hromniak

Altes Kräuterwissen mit modernsten Methoden erforschen

Altes "Kräuterwissen" mit modernen pharmazeutischen Ansätzen zu verknüpfen, das ist das Ziel der Pharmakognostin Judith Maria Rollinger, die als Professorin am gleichnamigen Department noch unbekannten bioaktiven Naturstoffen auf der Spur ist und dafür auch Computermodelle einsetzt. Departmentsleiterin Verena Dirsch erforscht Wirkungen und Wirkmechanismen von Naturstoffen auf zell- und molekularbiologischer Ebene. Der Pharmazeutische Biotechnologe Sergey Zotchev untersucht Wirkstoffe aus mikrobiologischen Quellen. In seiner Forschungsgruppe arbeitet Martina Oberhofer an der Analyse der Heilwirkung von Endophyten im Edelweiß: „Endophyten sind Mikroorganismen, die als Symbionten im Inneren von Pflanzen leben. Oft bilden sie chemische Verbindungen, deren Heilwirkung ursprünglich der Pflanze zugeschrieben wurde. Sie dienen unter anderem der Verteidigung der Pflanze vor Pathogenen und anderen schädlichen Umwelteinflüssen. Wir untersuchen Endophyten als innovative Quelle für mögliche neue antibiotisch wirksame Substanzen. Pharmakonzerne scheuen inzwischen die kostspielige Entdeckung neuer Antibiotika. Im Zeitalter steigender Resistenzen von Krankheitserregern gegen bereits bekannte Antibiotika ist die Erforschung neuer antibiotisch wirksamer Substanzen von immenser Bedeutung.“

Ein Arzneipflanzengarten im Pharmaziezentrum
Nach wie vor ist es wichtig, die heilsamen Pflanzen in natura zu sehen, sie zu „begreifen“. Dies wird einerseits in mannigfaltigen Exkursionen ermöglicht, gleichzeitig gibt es aber auch den Arzneipflanzengarten und das Pharmazie-Gewächshaus des Pharmaziezentrums in der Althanstraße. Rund 140 verschiedene Arznei- und Giftpflanzen werden dort kultiviert, um als Anschauungsmaterial für die Studierenden zu dienen.


Arzneipflanzengarten im Pharmaziezentrum. © Josef Krpelan

Der öffentlich zugängliche Arzneipflanzengarten soll künftig noch mehr als Ort der Forschung, der Wissensvermittlung und der Erholung genutzt werden. Angesichts des steigenden Interesses der Öffentlichkeit ein sicherlich lohnendes Unterfangen.

Ausstellung Die Grüne Apotheke – vom Hortus Medicus zur Pharmaforschung

Zeit: 20. Juni bis 30. Oktober 2018, täglich von 10 bis 18 Uhr, Eintritt frei
Ort: Botanischer Garten der Universität Wien, 1030 Wien, Mechelgasse 2 (Haupteingang; weitere Eingänge: www.botanik.univie.ac.at/hbv

Arzneipflanzengarten des Departments für Pharmakognosie
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, von 9 bis 15 Uhr
Pharmaziezentrum (UZA II), Zugang über Stiege G, Ebene 1
Althanstraße 14, 1090 Wien

Pharmakobotanische Exkursion: für heuer bereits ausgebucht
Anfragen für 2019 an das Postgraduate Center: Opens window for sending emailFr. Andrea Schwarzová

Redaktion: Prof. Dr. Verena Dirsch und Prof. Dr. Gerhard Herndl

Interviews & Texte: Mag. Ursula Gerber, uniview

Gestaltung: DI Andrea Szabo