Fakultät für
Lebenswissenschaften
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Fakultät für Lebenswissenschaften
Oktober 2014
Ausgezeichnete junge Forscher

 

Die von der Fakultät für Lebenswissenschaften vergebenen Awards Focus of Excellence und Young Investigator Award würdigen junge Post Docs, die es mit ihren Arbeiten in Top-Journale geschafft haben.

Der mit 15.000,- € dotierte Focus Of Excellence ging heuer an Dagmar Woebken vom Department für Mikrobiologie und Ökosystemforschnung, der mit je 7.000,- € dotierte Young Investigator Award ging an Marisa Höschele und Jorg Massen, beide vom Department für Kognitionsbiologie.

Der Gertrud Pleskot Award 2014 für junge Wissenschafterinnen, die sich in der Postdoc-Phase befinden und überdurchschnittliche Publikationsleistungen vorzuweisen haben, geht an heuer an Ruxandra McKinnon vom Department für Pharmakognosie.

Der Faculty-Research-Newsletter hat die PreisträgerInnen zum Interview gebeten.

Dagmar Woebken (Department für Mikrobiologie und Ökosystemforschnung)

Dagmar Woebken

Mit dem Focus of Excellence sollen außergewöhnliche junge Wissenschafter unterstützt werden. Warum gerade Sie? 

Nun ja, „außergewöhnlich” ist recht schwer zu definieren, so dass ich nur vermuten kann, was genau die Jury dazu bewogen hat, mir den Focus of Excellence zu verleihen. Ich persönlich empfinde den Aufbau einer eigenen unabhängigen Arbeitsgruppe aus Drittmitteln als meine größte Leistung in den zwei Jahren hier an der Universität Wien. Und dass wir jetzt dabei sind, die Ergebnisse dieser ersten neuen Projekte bei Fachzeitschriften einzureichen, freut mich besonders.

Ich habe Anfang 2012 in der Division für Mikrobielle Ökologie im Department für Mikrobiologie und Ökosystemforschnung als Gruppenleiterin angefangen und seitdem eine Gruppe von acht Mitgliedern durch das Einwerben von Drittmitteln aufgebaut (Gesamtbudget von mehr als 1 Million Euro). Gleich zu Anfang habe ich einen Marie Curie - Career Integration Grant (CIG) erhalten, und im Jahr 2013 wurden zwei Einzelprojekt-Anträge bewilligt, die ich beim FWF eingereicht hatte. Anfang diesen Jahres erhielt dann Dr. Hannes Schmidt einen Marie Curie - Intra-European Fellowship (IEF) mit mir als Lead-PI. Im Ganzen habe ich bisher 24 Paper veröffentlicht, die mehr als 1400 mal zitiert wurden.

Stellen Sie sich den Kollegen der Fakultät bitte kurz vor: Ihre Forschung, was Sie antreibt, was dabei rauskommen sollte/könnte....

In mehreren Projekten untersuchen wir Mikroorganismen, die aktiv im Stickstoff- und Kohlenstoff-Kreislauf in terrestrischen Ökosystemen involviert sind. Besonders interessiert mich dabei auch die Verknüpfung dieser beiden Kreisläufe. Ein Projekt konzentriert sich auf den mikrobiellen Abbau von komplexen Kohlenstoffverbindungen (Zellulose) in Böden, und die Faktoren die diesen Abbau limitieren – wie zum Beispiel die Verfügbarkeit von Stickstoff. In anderen Projekten untersuchen wir die aktiven stickstofffixierenden Mikroorganismen in terrestrischen Ökosystemen wie Wald- und Graslandböden, aber auch in Bodenkrusten, und den Einfluss verschiedener Kohlenstoffverbindungen als Energiequelle für diesen Prozess. Diese Projekte erstrecken sich bis zur Untersuchung von Mikroorganismen in der Rhizosphäre von Pflanzenwurzeln – ein Bereich im Boden, der durch die Absonderung von pflanzlichen Kohlenstoffverbindungen ein ideales Habitat für Stickstofffixierer darstellt.

Und seit diesem Sommer sind wir auch noch in einem anderen Forschungsbereich tätig, der sich mit Sauerstoff als kritischen Umweltfaktor und der Aktivität von Mikroorganismen unter mikro-oxischen Bedingungen beschäftigt. In den meisten natürlichen Lebensräumen kommen Mikroorganismen nämlich nicht unter atmosphärischen, sondern unter reduzierten Sauerstoffbedingungen vor. Über die mikrobiellen Gemeinschaften, die in der Lage sind, unter solchen Bedingungen zu existieren und aktiv zu sein, ist noch nicht viel bekannt, und sie werden in diesem Projekt vor allem in terrestrischen Ökosystemen untersucht.

Im Allgemeinen ist es mein Ziel, die aktiven Mikroorganismen in wichtigen terrestrischen Prozessen zu identifizieren, sowie Faktoren, die ihre Aktivitäten regulieren. Des Weiteren faszinieren mich Interaktionen zwischen Mikroorganismen, wie auch zwischen Pflanzen und Mikroorganismen.

Was werden Sie konkret mit dem Preisgeld anstellen?

Die Identifizierung und Lokalisierung von Mikroorganismen in ihrem Lebensraum ist ein wichtiger Aspekt in vielen meiner Projekte und besonders schwierig in terrestrischen Systemen. Daher werde ich einen Teil des Geldes in die Anschaffung von Fluoreszenzmikroskopie-Zubehör investieren, das die Erkennung von Bodenhintergrundfluoreszenz und daher Fluoreszenz in situ Hybridisierung (FISH) in Bodenproben erleichtert. Außerdem werden wir einen Teil des Geldes in Zubehör für Inkubationen unter niedrigen Sauerstoffkonzentrationen investieren.

Marisa Höschele (Department für Kognitionsbiologie)

Marisa Höschele

Mit dem Young Investigator Award sollen junge Wissenschafter unterstützt werden. Was macht gerade Sie preiswürdig?

Ich passe ins Profil: Ich bin eine junge Wissenschafterin mit vielen Veröffentlichungen in renommierten Publikationen - bezogen auf mein Alter bzw. die Länge meiner Karriere. Ich kann auch auf eine Reihe von Preisen und Aufsichts- sowie Lehr-Erfahrungen verweisen. 

Stellen Sie sich den Kollegen der Fakultät bitte kurz vor: Ihre Forschung, was Sie antreibt, was dabei rauskommen sollte/könnte...

Ich habe die Biologie der Musik und Sprache aus einem vergleichenden Blickwinkel studiert. Das bedeutet, dass ich Menschen und Tiere verglichen habe, wie sie Töne erzeugen und wahrnehmen. Ich war immer von der Idee fasziniert, dass Musik, ebenso wie Sprache, etwas ist, das man in allen menschlichen Kulturen findet, und dass es in der Biologie wurzelt. Indem man Menschen mit Tieren vergleicht, können wir beginnen zu verstehen, welche Aspekte der Wahrnehmung und Produktion von Musik und Sprache allen im Tierreich gemeinsam sind. Und davon ausgehend, welche biologischen Mechanismen eine Rolle bei diesen Fähigkeiten spielen.

Was werden Sie konkret mit dem Preisgeld anstellen?

Ich plane, das Geld dafür zu verwenden, eine schallisolierte Resonanzkammer einzurichten, wenn alles gut geht. Sollte Geld übrig bleiben, wird es dafür verwendet, mein Wellensittich-Labor zu verbessern, das ich aufgebaut habe, seit ich an der Universität Wien begonnen habe. Dafür habe ich Anfang des Jahres bereits Mittel der Cognitive-Science-Plattform erhalten.

Jorg Massen (Department für Kognitionsbiologie.

Jorg Massen

Mit dem Young Investigator Award sollen junge Wissenschafter unterstützt werden. Was macht gerade Sie preiswürdig?

Natürlich weiß ich nicht, warum das Komitee mich und nicht jemand anderen für den Preis ausgewählt hat. Aber ich hab einige Vermutungen: Seit 2011 (der Zeitraum, der für den Young Investigator Awards maßgeblich ist) habe ich insgesamt zehn Paper in Peer-reviewed-Journalen veröffentlicht. Viele davon gehören zu den Top-ten-Journalen des entsprechenden Forschungsgebietes. Eine der Arbeiten wurde in Nature Communications veröffentlicht. Zudem habe ich in diesem Zeitraum zwei bedeutende Grants zugesprochen bekommen, um meine Forschung betreiben zu können.

Stellen Sie sich den Kollegen der Fakultät bitte kurz vor: Ihre Forschung, was Sie antreibt, was dabei rauskommen sollte/könnte...

Mein allgemeines Interesse zielt auf Soziale Kognition bei Tieren ab. Besonders interessiert mich, wie Tiere kooperieren und ob sie pro-soziale Anlagen haben. Indem ich Menschen, Primaten und Corviden (Vögel aus der Krähenfamilie wie zum Beispiel Raben) studiere, möchte ich herausfinden, ob human hyper-cooperation etwas ausschließlich Menschliches ist, ob wir dieses Verhalten mit unseren „Primaten-Cousins“ teilen, oder ob es etwas ist, das sich unabhängig auch in Vögeln wie etwa Raben entwickelt hat. Zudem versuche ich, hinter die kognitiven oder emotionalen Mechanismen zu kommen, die dieses Verhalten verursachen. Letztlich kann das zu einem besseren Verständnis unseres eigenen Verhaltens führen.

Was werden Sie konkret mit dem Preisgeld anstellen?

Ich werde das Geld dafür benützen, Forschungsmaterial anzuschaffen – (Video-)Kameras und Festplatten zur Datenspeicherung, und um Konferenzen zu besuchen.

Ruxandra McKinnon (Department für Pharmakognosie)

Ruxandra McKinnon

Mit den dem Gertrud Pleskot Award sollen außergewöhnliche junge Wissenschafterinnen unterstützt werden. Warum gerade Sie?

Nachdem ich mein Doktoratsstudium an der Universität Wien abgeschlossen hatte, bekam ich die Möglichkeit, meine wissenschaftliche Arbeit an der University of California Los Angeles fortzusetzen, ehe ich als Post-doc nach Wien zurückkehrte. Während dieser Zeit hatte ich das Privileg, mit verschiedenen internationalen Gruppen zusammen zu arbeiten und meine Expertise auszubauen. Meine Bemühungen spiegeln sich in der Autoren- und Co-Autorenschaft einer großen Zahl von Publikationen in internationalen peer-reviewed Journalen wieder, sechs davon sind sehr angesehen.  

Stellen Sie den Kollegen das, wofür Sie den Award bekommen haben kurz vor: Ihre Projekte, was Sie antreibt, was dabei rauskommen sollte/könnte....

Mein Hauptprojekt fokkusiert auf traditionelle Heilpflanzen, die die Maya in Zentralamerika verwendet haben. Im Besonderen beschäftige ich mich mit der Pharmakologie von natürlichen Stoffen, die aus der Pflanze Neurolaena lobata isoliert wurden. Die übergeordnete Frage ist, ob diese Stoffe gegen Rheuma oder Krebs helfen könnten. Wir und andere haben gezeigt, dass die Pflanze starke antirheumatische und anticancerogene Wirkung hat. Unlängst konnten wir in vitro Details des Mechanismus dieser starken antirheumatischen und anticancerogenen Wirkung zeigen. Zudem ist ein Extrakt, der diese Substanzen enthält, in vivo aktiv. Nachdem Entzündungen und Krebs dieselben Signalwege nutzen, sind wir auch daran interessiert, mehr über die pharmakologischen Effekte, die diese Moleküle in Krebszellen haben, zu lernen. Die Pflanze wurde in der Naturheilkunde zur Behandlung verschiedener Krankheiten verwendet, darunter Entzündungsprobleme und das, was wir Krebs nennen. Das zu überprüfen könnte therapeutischen Nutzen haben.

Was werden Sie konkret mit dem Preisgeld anstellen?

Es wird in die Erforschung der aktiven Bestandteile von Neurolaena lobata und weiterer chemischer Strukturen fließen, die Antimetastasen-Potenzial haben – und in 3-D-in vitro-Modelle.

Über Anregungen freuen sich:
Univ. Prof. Dr. Verena Dirsch (verena.dirsch@univie.ac.at)
Mag. Susanne Mauthner-Weber (s-m-w@gmx.at)