Fakultät für
Lebenswissenschaften
faculty research news
Fakultät für Lebenswissenschaften
November 2013
Ausgezeichnete junge Forscher

 

Der von der Fakultät für Lebenswissenschaften vergebene Young Investigator Award würdigt junge Post Docs, die es mit ihren Arbeiten in Top-Journale geschafft haben. Heuer ging der mit je 7.000,- € dotierte Preis an David Berry, Constance Voss und Sonja Windhager.

Der Faculty-Research-Newsletter hat die drei Preisträger zum Interview gebeten. Wir wollten von ihnen folgendes wissen:

1. Mit den Auszeichnungen der Fakultät sollen junge Wissenschafter unterstützt werden. Was macht gerade Sie preiswürdig?

2. Stellen Sie sich den Kollegen der Fakultät bitte kurz vor: Ihre Forschung, was Sie antreibt, was dabei rauskommen sollte/könnte...

3. Was werden Sie konkret mit dem Preisgeld anstellen?

David Berry (Department für Mikrobiologie und Ökosystemforschung)

David Berry

Mit den Auszeichnungen der Fakultät sollen junge Wissenschafter unterstützt werden. Was macht gerade Sie preiswürdig?

Der menschliche Darm enthält Hunderte von Mikroorganismen, die uns viele Dienste erweisen, zum Beispiel Nährstoffe und Vitamine liefern, und unser Immunsystem trainieren. Ich interessiere mich dafür, was diese Mikroorganismen im Detail tun und wie sie mit ihrem Wirt - unserem Körper - interagieren. Mein Antrieb ist reine Neugierde über die Biologie dieser Mikroben und Entdeckungslust, jedoch interessieren mich auch Darmkrankheiten, in denen Mikroben eine Rolle spielen, z.B. chronisch-entzündliche Darmkrankheiten und Darmkrebs. Mit meiner Arbeit hoffe ich, zu einem Verstehen und dem Wissen über die Darmmikrobiota und ihrer Beziehung zu Gesundheit und Ernährung beitragen zu können. Idealerweise führt meine Arbeit langfristig zu neuen Therapien oder Strategien, die Darm- und Stoffwechselkrankheiten bekämpfen.

Stellen Sie sich den Kollegen der Fakultät bitte kurz vor: Ihre Forschung, was Sie antreibt, was dabei rauskommen sollte/könnte...

Ich fühle mich sehr geehrt, den Young Investigator Award erhalten zu haben. Eine meiner Freuden an der Forschung ist es, die Welt mit kindlichen Augen sehen zu dürfen, und dies benötigt neue Konzepte und Werkzeuge. Mein größter Erfolg war es vor Kurzem, einen Weg zu finden, eine Gruppe von Mikroben im Darm zu erforschen, die eine sehr besondere und wichtige Lebensweise aufweisen, und zwar ernähren sie sich nicht durch den Abbau von Nahrungsmittelbestandteilen, sondern von Proteinen die unser Körper produziert und in den Darm abgibt. Die Aktivität dieser Wirtsfresser konnten wir mittels eines neuen Ansatzes, der auf der Markierung von Aminosäuren mit stabilen Isotopen und der Abbildung von einzelnen Bakterienzellen mit Hilfe unseres NanoSIMS Instruments (http://nanosims.univie.ac.at/nanosims/) beruht, charakterisieren. Das war ein außerordentlicher Fortschritt, den wir dann auch in dem angesehenen Fachjournal Proceedings of the National Academy of Sciences USA publizieren durften.

Andere größere Leistungen sehe ich in der Entdeckung, dass kommensale Darmmikroben die Lymphomentwicklung in Mäusen beeinflussen können, sowie eine gründliche, zeitaufgelöste Charakterisierung der Änderung der Darmmikrobiota bei Fäkaltransplantationen, die als Behandlung bei Colitis ulcerosa eingesetzt wurden.

Was werden Sie konkret mit dem Preisgeld anstellen?

Das Preisgeld wird dazu verwendet werden, ein für uns sehr wichtiges Gerät anzuschaffen, nämlich ein Microtomsystem, welches uns bei der Vorbereitung von Darmproben helfen wird. Mit diesem Gerät werden wir die räumliche Organisation von Mikroben auf Einzelzellebene besser untersuchen können.

Constance Voss (Department für Pharmakognosie)

Constance Voss

Mit den Auszeichnungen der Fakultät sollen junge Wissenschafter unterstützt werden. Was macht gerade Sie preiswürdig?

Der Young Investigator Award wird jungen Wissenschaftlern verliehen, die in den Top-Journalen ihres Forschungsfelds publizieren. In den für die Ausschreibung des Awards relevanten Jahren 2010-2012 habe ich insgesamt 7 „high-impact“ Publikationen veröffentlichen können. Ich denke, dass vor allem meine Erstautorpublikation in dem multidisziplinären Fachjournal PNAS (Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America), das zu einem der wichtigsten Wissenschaftsmagazine der Welt gehört, die Entscheidung der Jury zur Vergabe des Awards an mich beeinflusst hat. 

Stellen Sie sich den Kollegen der Fakultät bitte kurz vor: Ihre Forschung, was Sie antreibt, was dabei rauskommen sollte/könnte...

Ich habe in Graz Biochemie studiert und in Chemie promoviert. Von 2009-2011 war ich als Postdoc an der UCLA (University of California Los Angeles) am Department für zelluläre und molekulare Kardiologie tätig. Seit August 2011 arbeite ich am Department für Pharmakognosie.

Hier beschäftige ich mich mit der Identifizierung und pharmakologischen Charakterisierung neuer Leber-X-Rezeptor-spezifischer Wirkstoffe zur Behandlung von Arteriosklerose. Das heißt, ich suche Wirkstoffe natürlichen oder synthetischen Ursprungs, die an den Leber-X-Rezeptor (LXR) binden und ihn aktivieren können. Der Leber-X-Rezeptor gehört zu den nuklearen Transkriptionsfaktoren und wird endogen durch oxidierte Cholesterinderivate oder auch durch bestimmte synthetische Agonisten bzw. Naturstoffe aktiviert. Nach der Aktivierung des LXR wandert er in den Zellkern und reguliert Gene, die eine bestimmte LXR Erkennungssequenz enthalten und die eine Rolle im Lipidstoffwechsel, einschließlich des Cholesterintransports/-exports und der Cholesterinausscheidung, sowie der Fettsäurebiosynthese spielen. Gerade diese Funktion als Cholesterinsensor und die zusätzliche anti-inflammatorische Wirkung des LXR Rezeptors macht ihn zu einem interessanten Angriffsziel gegen Arteriosklerose (eine Erkrankung, die durch Verhärtung und Verengung der Arterien einen Herzinfarkt oder Schlaganfall auslösen kann).

Synthetische LXR Agonisten führen zu einer Erhöhung des HDL (high density lipoprotein = „gutes“ Cholesterin) Plasmaspiegels, verhindern die Bildung von arteriosklerotischen Plaques und reduzieren Entzündungsreaktionen, die bei der Entstehung von Arteriosklerose eine wichtige Rolle spielen.

Leider haben die meisten bisher verfügbaren LXR Agonisten aufgrund ihrer Funktion in der Fettsäuresynthese auch Nebenwirkungen, wie z.B. eine Erhöhung der Triglyzerid-Konzentrationen im Plasma und der Entstehung einer Fettleber.

Ich habe einen synthetischen Wirkstoff gefunden, der aufgrund erster Daten in zellbasierten Tests diese Nebenwirkungen nicht haben könnte, und trotzdem einen positiven Einfluß auf den Cholesterinstoffwechsel hat. Mittels Zellkulturexperimenten versuche ich nun, den pharmakologischen Mechanismus des Wirkstoffes aufzudecken, und hoffe damit der Entwicklung eines neuen wirksamen und möglichst nebenwirkungsfreien Medikamentes für die Behandlung von Arteriosklerose näher zu kommen.

Immerhin ist die Arteriosklerose die Hauptursache für gefährliche Herz-Kreislauf- Erkrankungen, und die Folgeerscheinungen der Arteriosklerose bilden die häufigste Todesursache in der westlichen Welt. 

Was werden Sie konkret mit dem Preisgeld anstellen?

Ich freue mich, den „Young Investigator Award“ der Fakultät der Lebenswissenschaften erhalten zu haben. Mit dem Preisgeld kann ich einen Teil der Materialkosten meiner Forschungsprojekte finanzieren bzw. es für Fortbildungsreisen und Konferenzgebühren verwenden.

Sonja Windhager (Department für Anthropologie)

Sonja Windhager

Mit den Auszeichnungen der Fakultät sollen junge Wissenschafter unterstützt werden. Was macht gerade Sie preiswürdig?

Das Erfolgsrezept für die Publikationen war die gelungene Mischung zweier Richtungen in der Gesichtserforschung: der physischen Anthropologie und der evolutionären Psychologie. Trotzdem war es zunächst nicht leicht, die eine Disziplin von den biologischen Grundlagen und der statistischen Methode zu überzeugen und die andere von sozialer Wahrnehmung. Durch die neuartigen koordinatenbasierten Geometrisch Morphometrischen Methoden gelang es jedoch, eine Brücke zu bauen und Merkmale im Gesicht, die zu einer bestimmten Wahrnehmung von Personen führen, mit Merkmalen, die durch biologische Eigenschaften wie Körperhöhe, physische Stärke und Körperfett bedingt sind, zu vergleichen. Dies ermöglicht es erst, viele evolutionäre Vorhersagen nun tatsächlich statistisch zu testen.

Stellen Sie sich den Kollegen der Fakultät bitte kurz vor: Ihre Forschung, was Sie antreibt, was dabei rauskommen sollte/könnte...

Mein besonderes Interesse gilt den Gesichtsmerkmalen, die den ersten Eindruck von einer anderen Person ausmachen. Auch wenn man das Buch nicht nach seinem Umschlag bewerten soll, ist der erste Eindruck oft wegweisend. Mich fasziniert herauszufinden, woran es im Gesicht liegt, dass wir Menschen als kindlich/erwachsen, gewissenhaft, feminin/maskulin, stark etc. einschätzen, und wie dies mit Formveränderungen durch biologische Charakteristika wie Alter, Körperhöhe, Körpergewicht und Hormonmarkern zusammenhängt und inwieweit diese überkulturell zutreffen. Denn, nur wenn wir diese Mechanismen verstehen, haben wir ein Mittel, um unser Zusammenleben besonders in den anonymen Großstädten besser zu verstehen und gegen Stereotypisierung und Stigmatisierung anzugehen.

Was werden Sie konkret mit dem Preisgeld anstellen?

Das Preisgeld ermöglicht mir, meine Forschung am Department für Anthropologie und Kooperationen an der Fakultät für Lebenswissenschaften im kommenden Jahr fortzusetzen. Zum einen wird das Datenmaterial von Fotos auf dreidimensionale Oberflächenscans von Gesichtern erweitert werden und zum anderen ein inhaltlicher Fokus auf den Zusammenhang der Wahrnehmung von Dominanz, Kompetenz und Führungsqualität mit der Gesichtsform und den vorhin angesprochenen biologischen Variablen (z. B. Körperhöhe, Hormonmarkern) in beiden Geschlechtern gelegt werden.

Über Anregungen freuen sich:
Vizedekanin Univ. Prof. Dr. Verena Dirsch (verena.dirsch@univie.ac.at)
Mag. Susanne Mauthner-Weber (s-m-w@gmx.at)